Zwischenruf von Propst Böttcher

In diesen Tagen ist alles anders. Mancher sagt: „So etwas hat es noch nie gegeben. So etwas habe ich noch nicht erlebt!“ Einige machen „weiter so“, einige sind verwirrt, einige werden stumm, einige sind voller Angst.

Ist diese Zeit eine Störung unseres Lebens, die wir nicht brauchen können?

Störungen haben Vorrang, ist eine Grundregel der Gruppendynamik. Vielleicht sind diese „Störungen“ wie eine große Frage an uns alle.

Der Geschichtsphilosoph Arnold Toynbee spricht von „challenge and response“ (Herausforderung und Antwort). Die Frage ist dann: Wer fordert uns heraus? Vielleicht ist diese Zeit mehr als eine Herausforderung eine Einladung. Eben nicht nur blindes Schicksal oder reiner Unfall und Zufall, sondern ein Dialog mit unserem Schöpfer und Erlöser.

Eine Chance, Leben neu zu entdecken und zu verstehen. Ein Zwischenruf, der uns aufwecken kann. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass das Coronavirus nicht der einzige Notstand in der Welt ist. Wir wissen um die schreckliche Situation der Flüchtlinge, den Krieg in Syrien, die  alten und neuen Epidemien in afrikanischen Ländern, die Zukunftsfrage unsere Klimaentwicklung, …

Was könnte unsere Response, unsere Antwort sein? Sind wir bereit zu lernen?

Der Ratgeber unseres Glaubens ist nicht die Angst, sondern die Liebe.

Das bedeutet eben nicht, rette sich wer kann, sondern sich gegenseitig und miteinander im Blick zu haben. In der Verantwortung gegenüber den anderen, Entscheidung zu treffen und zu leben. Nicht aussteigen aus dem gemeinsamen Boot, sondern einzusteigen.

Krisenzeiten sind Gnadenzeiten. In der Not erkennt man die wahren Freunde. Vielleicht verstehen wir neu, dass es nur eine gemeinsame Erde und einen gemeinsamen Himmel. Keinem hat der Schöpfer alles und keinem nichts gegeben.

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen. (Gebet der Vereinten Nationen)

Amen.                                                                                                    Ihr Propst Hubertus Böttcher