Geschichte Kapelle St. Joseph, Uentrop

Der in Abgrenzung zum „oberen Dorf“ Oeventrop als „unteres Dorf“ bezeichnete Bauernort wird erstmals 1207 in einer Urkunde des Grafen Heinrich genannt und gehörte dem Kloster Wedinghausen. So besuchten die Uentroper Katholiken zunächst die dortige Klosterkirche, die heutige Propsteikirche und feierten ihre Gottesdienste später im Schulraum des Gutshofes Schulte. Die alte Glocke von 1768, die unter dem Vordach des Speichers hing und bis zum Bau der Kapelle zum Gottesdienst rief, ist heute in der Seitenkapelle beim Marienaltar ausgestellt.

Ab etwa 1850 kam in Uentrop der Wunsch nach einer eigenen Kapelle auf. Am 19. Mai 1855 wandte sich der Kirchenvorstand mit diesem Anliegen an das Generalvikariat in Paderborn, da der Kirchweg nach Wedinghausen für die 170 Einwohner ca. 46 Minuten betrage. 1857 gründeten die Uentroper einen Kapellenverein und brachen am Lüsenberg die ersten Mauersteine. Noch im gleichen Jahr wurde der Bau der heutigen Kapelle durch den Arnsberger Bauunternehmer Löhr begonnen, die dann am 21. Dezember 1858 durch Propst Koop benediziert werden konnte. 1861 wurde eine Orgel beschafft und 1924/25 die Kapelle durch den Architekten Ferber, Soest, nach Westen um drei Fensterachsen mit einer Vorhalle sowie um eine Sakristei erweitert. Der östliche Teil mit dem Chorraum, dem Dachreiter und den schmaleren Fenstern entspricht noch dem ursprünglichen Bau. Architektonisch interessant ist dabei der Chorraum, der aus sieben Seiten eines Zehnecks gebildet ist und sich somit zunächst verbreitert.

Die laut dem „Organ für christliche Kunst“ von 1859 „stylgerecht aufgeführte Capelle“ zeigt von außen noch ihr neugotisches Erscheinungsbild mit spitzbogigen Fenstern und steinsichtigem, 1986 renoviertem Mauerwerk. Die Neugotik war ein Baustil, der im 19. Jahrhundert auf Formen der mittelalterlichen Gotik zurückgriff und der auch bei der Oeventroper Pfarrkirche zur Anwendung kam. Innen wurde die Josefskapelle aber 1958 wesentlich umgebaut und dabei auch die Gewölbe des Chorraumes sowie der neugotische Hochaltar entfernt. Mit diesem Umbau kamen die heutigen Chorfenster in die Kapelle, die in der Mitte die drei Jünglinge im Feuerofen, links Nebukadnezar und rechts den rettenden Engel darstellen. Der Altarbereich wurde 1973 durch den Künstler Winkelmann aus Günne mit Kreuz, Tabernakel und Ambo neu gestaltet. Kurz darauf erhielt die Seitenkapelle ihre Muttergottes. Auch die große Kreuzigungsgruppe und die Josefsfigur gehören zur neueren Ausstattung und wurden 1988 von Willi Brüggemann geschaffen. An die Neugotik erinnert der neu wieder angebrachte Kreuzweg von 1886, der in seiner tiefen Farbigkeit auf die Bewegung der „Nazarener“ Bezug nimmt, die einige der bedeutendsten neugotischen Kirchen ausgemalt haben. So ist die Josefskapelle heute durch die verschiedenen Epochen ihres fast 160jährigen Bestehens geprägt. In direkter Nachbarschaft fällt noch Kühns Kapellchen von 1967 auf, das eine freie Nachbildung der historischen Kühns Kapelle in Ackerschott darstellt, die seinerzeit dem Bau der Biggetalsperre weichen musste.

von Peter Vormweg