Brief von Propst Hubertus Böttcher

Liebe Schwestern und Brüder im selben Boot,

Die durch das Coronavirus ausgelöste Epidemie zwingt uns – wie auch viele anderen in verschiedenen Länder  zu drastischen Maßnahmen.

Isolierung und Einschränkung sozialer Kontakte scheinen die bisher effizientesten Mittel zu sein, um Ansteckung zu vermeiden.

So haben wir uns mit schwerem Herzen entschlossen, an diesem Wochenende (14./15. März) keine Gottesdienste zu halten. Zu groß scheint die Gefahr  zu sein, dass die Ansteckungszahlen sich radikal beschleunigen könnten.

Zum Glück kommen aus China, das wir in den vergangenen Wochen bangen Herzens begleitet haben, die ersten guten Nachrichten: die Zahl der Todesfälle und Neuinfizierten geht entschieden zurück.

Wir wollen dabei nicht vergessen, dass das Coronavirus nicht der einzige Notstand in der Welt ist. Wir wissen um die schreckliche Situation der Flüchtlinge, den Krieg in Syrien, die  alten und neuen Epidemien in afrikanischen Ländern.

Für viele von uns ist diese Zurückgezogenheit und Unterbrechung eine völlig neue Erfahrung.

Wir sind ja als Christen geradezu geschaffen für Begegnung und Gemeinschaft.

Auch unter extremen Bedingungen darf die Kommunikation der Liebe nicht aufhören. Ja es braucht Kreativität und Fantasie neue Formen des Miteinanders zu finden. In dieser Not braucht es nicht weniger sondern mehr Gemeinschaft.

Auf vielerlei Weise können wir anderen Unterstützung und Stärkung anbieten: vor allem durch das Gebet, aber auch durch kleine Gesten der Liebe, ein Telefonat, eine WhatsApp, eine Mail… damit niemand sich einsam fühlt: niemand, der zuhause bleiben muss oder der krank ist, niemand, der die anderen pflegt, tröstet und begleitet, niemand, der in irgendeiner Weise die Folgen dieser Situation tragen muss. Die sozialen Medien und nicht nur sie können eine große Hilfe sein..

Wenn wir diese kleinen Gesten der Liebe miteinander teilen, werden wir uns anstecken mit dem Gegenvirus der Hoffnung und Geschwisterlichkeit.

Wir wissen nicht, wie lange es dauert, Wochen oder Monate… wer weiß. Aber sie werden vorbeigehen.

Begreifen wir diese Zeit als Chance vor Gott und den Menschen. Jesus will uns auch heute begegnen.

Er will bei uns sein im gelebten Evangelium, im Bruder, in der Schwester. Es kann die Stunde von  Jesus unter uns sein, auch wenn wir räumlich voneinander getrennt sind.

Hören wir nicht auf, an die Liebe Gotte zu glauben. Machen wir uns heute neu auf den Weg.

Wenn wir vereint bleiben im Gebet und in der Liebe zu allen, können auch wir Hoffnungsträger in unserer Stadt und Welt sein.

Beste Grüße

Hubertus Böttcher

PS: Sie dürfen diesen Text gerne weiterleiten!!!